DIN 77400 ist der zentrale Reinigungs-Standard für Kitas und Schulen in Deutschland. Sie definiert nicht nur Was und Wie oft, sondern auch Wie dokumentiert. Die Hygienekontrolle vom Gesundheitsamt prüft genau gegen diese Vorgaben — wer schlecht dokumentiert ist, riskiert Auflagen oder im Extremfall die Schließung der Einrichtung. Hier die wichtigsten Punkte für Träger, Einrichtungsleitungen und Reinigungsverantwortliche.
Was DIN 77400 regelt — und was nicht
DIN 77400 „Reinigungsdienstleistung Schulgebäude — Anforderungen an die Reinigung" ist seit 2003 in Kraft und wurde 2018 substantiell überarbeitet. Sie definiert:
- Was bei welcher Häufigkeit zu reinigen ist (Sanitär, Klassenzimmer, Verkehrsflächen, Sondernutzungsräume wie Sport- oder Werkräume)
- Welche Reinigungsmittel zulässig sind (Lebensmittelverträglichkeit für Bereiche mit Kindern, Allergene)
- Wie das Personal qualifiziert sein muss (Schulung nach IfSG §43, jährliche Auffrischung)
- Wie die Dokumentation erfolgen muss (lückenlos, mit Datum/Uhrzeit/Personal-Kürzel)
- Welche Hygiene-Maßnahmen zwingend sind (Material-Trennung Sanitär/Lebensmittel, farbcodierte Mikrofaser-Systeme)
Was die Norm nicht regelt:
- Wer für die Reinigung zahlt (Schulträger oder Mietverhältnis)
- Konkrete Reinigungsmittel-Marken (nur Anforderungs-Profil)
- Vertragliche Bedingungen zwischen Auftraggeber und Reinigungsdienstleister
Obwohl die Norm primär für Schulen gilt, ist sie der Maßstab für alle Bildungseinrichtungen — Kitas, Krippen, Hochschulen, Volkshochschulen.
Reinigungsfrequenzen nach DIN 77400
| Bereich | Frequenz | Besonderheit |
|---|---|---|
| Sanitär (WCs, Waschbecken) | Täglich, ggf. mehrmals | Desinfektion, Material-Trennung Sanitär/Küche zwingend |
| Klassenzimmer / Gruppenräume | Täglich | Boden, Spielzeug-Oberflächen, Tische, Stühle |
| Verkehrsflächen (Flur, Treppenhaus) | Täglich | Bei Frequenz-Spitzen mehrmals (nach Pausen) |
| Schreibtische, Stühle | Wöchentlich | Mit feuchten Mikrofaser-Tüchern, getrennt von Boden |
| Spielzeug (Krippe / Kita) | Wöchentlich | In Spülmaschine bei 60°C, Plüsch separat in Wäscherei |
| Innenfenster und Fensterrahmen | Quartalsweise | Vor und nach Schulferien |
| Bodengrundreinigung | Halbjährlich | Sommer- und Weihnachtsferien — wenn niemand stört |
| Außenfenster, Fassade-Sockelbereich | Halbjährlich | Frühjahr und Herbst, mit Hubsteiger oder Stab-System |
| Heizkörper, Lüftungsgitter | Halbjährlich | Vor Heizperiode |
| Sportgeräte (Sporthallen) | Wöchentlich | Hautkontakt-Desinfektion bei Schulsport |
Diese Frequenzen sind Mindestvorgabe. Bei höherer Frequentierung oder Sondersituationen (Norovirus-Welle, Influenza-Saison, Renovierung) verdichten wir die Frequenz nach Absprache.
IfSG §43 — die Schulungspflicht
Nach Infektionsschutzgesetz §43 muss jede Person, die in einer Gemeinschaftseinrichtung mit Lebensmitteln umgeht oder dort reinigt, eine Erstbelehrung durch das Gesundheitsamt absolvieren — und jährlich eine Folgeschulung. Das gilt für unser Reinigungspersonal genauso wie für Erzieher, Köche und Hausmeister.
Inhalt der Erstbelehrung
- Tätigkeits- und Beschäftigungsverbote bei Infektionskrankheiten (Salmonellen, Hepatitis A, Shigellen, EHEC, Norovirus)
- Hygienische Grundregeln
- Persönliche Hygiene des Personals (Händehygiene, Arbeitskleidung)
- Belehrungspflichten gegenüber dem Arbeitgeber bei Erkrankung
Wie wir das in der Praxis umsetzen
Bei Meliteo läuft die Erstbelehrung beim zuständigen Gesundheitsamt vor Arbeitsbeginn jedes neuen Mitarbeiters. Die jährliche Folgeschulung führen wir in unserem Büro durch — mit einem Schulungsmodul, das vom Gesundheitsamt anerkannt ist. Belehrungs-Zertifikate liegen in der Personalakte und sind bei Hygienekontrollen sofort einsehbar.
Material-Trennung — der häufigste Audit-Mangel
Bei Hygienekontrollen vom Gesundheitsamt fällt am häufigsten das gleiche auf: Reinigungspersonal nutzt das gleiche Wischsystem für Sanitär und Küche/Esszimmer.
Das farbcodierte System
Wir arbeiten mit farbcodiertem Mikrofaser-System nach Branchenstandard:
- Rot für Sanitär (WCs, Waschbecken-Becken, Urinale)
- Gelb für Sanitär-Oberflächen (Spiegel, Türgriffe, Lichtschalter im Sanitärbereich)
- Grün für Lebensmittelbereich (Esszimmer, Küche, Spielzeug-Oberflächen)
- Blau für allgemeine Flächen (Boden, Fenster, Möbel)
Diese Lappen werden nach jeder Reinigung in einem geschlossenen Kreislauf gewaschen (60°C, getrennte Maschinen für Sanitär und Lebensmittel).
Was Auditoren zusätzlich prüfen
- Sind die Wischeimer farbcodiert oder mit Beschriftung versehen?
- Werden die Mittel im richtigen Bereich gelagert (Reinigungsmittelschrank getrennt von Lebensmittel-Lagerung)?
- Hat das Personal eigene Wischmops für Sanitär vs. Esszimmer?
- Werden Mikrofaser-Lappen nach Bereich getrennt gewaschen?
Norovirus, Influenza, Corona — Notfall-Protokolle
Bei Infektionsausbrüchen muss die Reinigung an RKI-Empfehlungen angepasst werden. Das ist nicht „mehr putzen" — sondern andere Mittel, andere Frequenz, andere Dokumentation.
Norovirus-Ausbruch (häufig in Hamburger Kitas im Winter)
- Sofort-Reaktion innerhalb 24h nach Meldung des Ausbruchs an das Gesundheitsamt
- Spezial-Desinfektion mit viruzidem Mittel — Standard-Reiniger reichen nicht. Wir setzen DVV/RKI-gelistete Mittel ein (typisch Wasserstoffperoxid-basiert)
- Häufigkeit erhöhen auf 2-3× täglich für Türgriffe, Lichtschalter, Toilettenspülgriffe, Wasserhähne
- Spielzeug-Desinfektion in 60°C-Spülmaschine oder Wischdesinfektion mit RKI-Mittel
- Erweiterte Sanitär-Reinigung mit Sporen-wirksamen Mitteln (Norovirus ist sehr widerstandsfähig)
- Lückenlose Dokumentation jeder Sonder-Reinigung für Gesundheitsamt — Datum, Uhrzeit, Mittel, Personal
Influenza-Saison (jährlich November-März)
Geringere Eskalation, aber erhöhte Aufmerksamkeit für Verkehrsflächen-Hygiene:
- Tägliche Türgriff-Desinfektion (statt nur 2× wöchentlich)
- Erhöhte Lüftungs-Hinweise an Personal
- Zusätzliche Wasserhahn-Desinfektion in Sanitär
Was wir bei Meliteo intern haben
Notfall-Set in jedem Reinigungsfahrzeug: viruzides Konzentrat, FFP2-Masken, Einweg-Schutzanzüge, separate Mikrofaser-Lappen. Bei Anruf zum Norovirus-Fall können wir innerhalb 4 Stunden vor Ort sein, ohne erst Material organisieren zu müssen.
Was bei der Hygienekontrolle geprüft wird
Das Gesundheitsamt kommt unangemeldet 1-2× jährlich. Geprüft wird:
Dokumentation
- Reinigungsplan schriftlich vorhanden? Aktuell? Aufgaben pro Häufigkeit klar definiert?
- Reinigungsnachweise lückenlos? (Datum, Zeit, Personal-Kürzel)
- IfSG-Belehrungen aller Reinigungs- und Küchen-Mitarbeiter aktuell?
- Sicherheitsdatenblätter aller eingesetzten Reinigungsmittel vorhanden?
Sichtkontrolle
- Sanitärbereiche sichtbar sauber, kein Restschmutz in Ecken oder hinter WCs
- Boden in Klassenzimmern und Verkehrsflächen sauber, keine Wischspuren
- Essbereich frei von Resten und Klebenstellen
- Spielzeug sichtbar gepflegt, nicht stark abgenutzt
- Lüftungsgitter, Heizkörper-Rückseiten, Lampen frei von Staub
Material-Stichprobe
- Sind die farbcodierten Wischsysteme im Reinigungsmittelschrank getrennt?
- Stimmen die im Reinigungsplan aufgeführten Mittel mit den tatsächlich gelagerten überein?
- Werden Lebensmittelechte Mittel im Bereich Küche/Esszimmer eingesetzt (nicht der Sanitär-Reiniger)?
Personal-Befragung
- Kann das Reinigungspersonal die Material-Trennung erklären?
- Wissen sie, was bei einem Norovirus-Fall zu tun ist?
- Haben sie Schweigepflicht-Erklärungen unterschrieben (bei Personenschutz)?
Bei guter Vorbereitung dauert die Kontrolle 30-60 Min und endet ohne Auflagen. Bei mangelhafter Doku können Auflagen kommen — von Nachbesserung binnen 4 Wochen bis (in Extremfällen) Schließung der Einrichtung.
Was Meliteo zusätzlich liefert
Über den DIN-77400-Mindeststandard hinaus liefern wir bei Bildungseinrichtungen:
Quartalsbericht
Schriftlicher Bericht alle 3 Monate mit Reinigungsstatistik, besonderen Vorkommnissen, Empfehlungen für nächstes Quartal. Bei Hygienekontrollen ist dieser Bericht oft das, was den Auditor überzeugt.
Vor-Audit-Begehung
Wenn die Hygienekontrolle angekündigt ist (was bei manchen Behörden vorkommt), gehen wir mit der Einrichtungsleitung vorab durch und prüfen alle Doku-Punkte. So vermeiden Sie Nervosität und Überraschungen.
Notfall-Hotline
Bei Hygiene-Notfällen (Norovirus, Influenza-Welle, Sondervorkommnisse wie Wasserschaden) rufen Sie direkt 0176 616 395 10 an. Wir kommen am gleichen oder nächsten Werktag und dokumentieren alles für die Behörde.
Schulung der Einrichtungs-Mitarbeiter
Auf Wunsch schulen wir auch Erzieher und Lehrkräfte in Hygiene-Grundlagen — z. B. richtiges Händewaschen, Aufklärung Norovirus-Vorbeugung. Kostenfrei für Vertragskunden.
Häufige Fragen
Müssen alle Schulen und Kitas nach DIN 77400 reinigen lassen?
Die DIN ist eine Empfehlungs-Norm — keine zwingende Vorschrift. Aber: Hygienekontrollen vom Gesundheitsamt orientieren sich daran, und im Schadensfall (Sturzunfall, Hygiene-Skandal) ist sie der Maßstab vor Gericht. Praktisch ist sie für alle Träger Pflicht.
Wer haftet bei einer Hygienekontroll-Auflage?
Primär der Schul-/Kita-Träger als Betreiber. Wenn der Reinigungsdienstleister die Vorgaben grob verletzt hat, kann er regresspflichtig werden. Wir unterstützen aktiv bei Audit-Vorbereitung und stehen bei Kontrollen telefonisch zur Verfügung.
Was kostet DIN-77400-konforme Reinigung?
Typisch 1,20-1,80 €/m² pro Reinigungstag — also rund 30 % über Standard-Büroreinigung. Aufschlag durch IfSG-Schulung, viruzide Mittel, getrennte Wischsysteme, Quartalsberichte.
Wie schnell könnt ihr bei einem Norovirus-Fall vor Ort sein?
Bei akutem Fall innerhalb 4 Stunden mit Sondereinsatz-Team. Eine vollständige RKI-konforme Desinfektion einer Kita-Etage dauert typisch 6-10 Stunden, also komplette Wiederöffnung am nächsten oder übernächsten Tag möglich.
Festpreis-Angebot binnen 48 Stunden — sonst die erste Reinigung kostenlos.
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